Ein sicheres Auto ist wichtiger!

ja, aber ... wer kennt das nicht?
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Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Morgaine47 am Mo 23. Feb 2015, 18:42

Diese Aussage lese ich gerade sehr häufig in Mainstream-Babyforen. Da werden User "runtergemacht" denen ein Reboarder wichtig ist, die aber nicht das allerneueste Riesenauto (am besten ein SUV) haben. Denn ein 5 bis 10 Jahre alter Kleinwagen ist ja so unsicher, da dürfte man gar keine Kinder drinnen transportieren, wenn einem die Sicherheit im Auto sooooo wichtig ist.

Die ersten Male hat mich das geplättet von dem Argument, aber mittlerweile sind mir ein paar Argumente eingefallen:
* Die Physik ist einem Kleinwagen wie in einem SUV. Bei einem Rumps fliegt der Kopf nach vorne, unabhängig von Knautschzone etc.

* Natürlich ist ein SUV oder Van sicherer als ein Kleinwagen, aber ein Kleinwagen mit Reboarder ist sicherer wie ein Van mit Vorwärtsgerichtetem Sitz

* Wenn man sich schon nicht das sicherste Auto leisten kann sollte es wenigstens der sicherste Sitz sein. 200 bis 300 Euro mehr für einen Sitz auszugeben ist eher drin als 20.000 bis 30.000 Euro für ein super sicheres neues Auto

* Wenn Du Dir den supersicheren Van/SUV leisten kannst werden ja wohl auch ncoh 200 bis 300 Euro mehr für einen Reboarder drinnen sein

Ein Reboarder ist 5 mal sicherer als ein vorwärtsgerichteter Sitz, ist ein Van/SUV 5 mal sicherer als ein Kleinwagen???

Ich freue mich auf weitere Argumente udn Überlegungen zu dem Thema.
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Re: Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Mr. Spock am Mo 30. Mär 2015, 21:03

Guten Abend,

sehr interessante Frage!!!

Kindersitze können direkt miteinander verglichen werden (Stichwort ADAC-Test), Autos auch (Stichwort EuroNCAP). Hier sind Unterschiede messbar und na klar - neue Autos unterliegen neueren Anforderungen und sind daher meist sicherer, als der jeweilige Vorgänger.
Aber wie sieht es dann auf der Straße aus? Wenn es wirklich zu einem Unfall kommt?

Fahren (neue) Autos gegen eine starre Wand, sind die Belastungen auf die Insassen meistens vergleichbar. Der heutige Selbstschutz ist so ausgelegt, dass die Fahrgastzelle so gut wie möglich intakt bleibt (Überlebensraum). Fährt allerdings ein großer schwerer SUV gegen einen alten Kleinwagen, sind die Belastungswerte im SUV niedriger.

Doch egal welches Auto- letztendlich ist ein rückwärts gerichteter Kindersitz immer sicherer als ein vorwärts gerichteter. Und warum sollte man auf dieses Stück mehr an Sicherheit verzichten? Von daher ist die Diskussion endlos möglich.

Von daher, hier mein Standpunkt dazu:
*Es kommt immer drauf an, wie stark der Rumms ist.
*Ein Kleinwagen mit rückwärts gerichtetem Kindersitz ist sicherer, als mit vorwärts gerichtetem. Das gilt auch für Vans- rückwärts ist besser als vorwärts.
*Nicht alle SUV sind sicherer als alle Kleinwagen- es gibt immer ein paar, die besser oder schlechter als die jeweilige Klasse sind.
*Keinen Unfall zu haben ist sicherer als einen Unfall zu haben.
*Wenn man einen Unfall überlebt- was ist dann 5x besser?
*Wenn jemand getötet wird- was ist dann 5 mal schlechter?

Ich würde mich nicht auf eine Zahlendiskussion und Quervergleiche einlassen, die nicht belegbar sind. Es gibt genug gute Gründe für rückwärts gerichtete Kindersitze, die in (fast) jedem Unfall für Kinder sicherer sind. Von daher- ja, größere Autos sind unter bestimmten Umständen sicherer. Und auch hier können rückwärts gerichtete Kindersitze noch mehr Schutz bieten, dass sich der Mehraufwand lohnt!
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Re: Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Spooky am Fr 10. Apr 2015, 12:35

Ich sehe das auch so.
Mag sein, dass meue Autos sicherer sind und das auch große Autos sicherer sind als Kleinwagen, wobei es dabei auf viele Dinge ankommt. So gibt es sehr sichere Kleinwagen und nicht so sichere große Autos.
Mein SchwieVa hat mit einem älteren Kleinstwagen einen schweren Unfall mit mehrfachen Überschlag nur mit ein paar Kratzern und ne verstauchte Hand überlebt, der Fahrer im dicken A*di hingegen war sehr schwer verletzt, die Beifahrerin sofort tot. Man sieht, da spielen sehr viele Faktoren mit ein und nicht nur die Größe oder Alter des Autos.

Aber es kann sich eben nicht jeder mal eben einen neuen Wagen für mehrere Zehntausend Euro leisten, egal wie sehr man auf die Sicherheit seiner Kinder bedacht ist. Das ist aber kein Argument, sich nicht wenigstens den sichereren Kindersitz zu kaufen.

Und für mich persönlich sind SUV's auch nur Kleinwagen auf Anabolika und stelzen, viel Blech, wenig Auto (ist aber nur meine persönliche Meinung). ;)
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Re: Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Marie am So 3. Mai 2015, 00:08

Hallo

vllt. kann ich etwas dazu schreiben.

Natürlich ist es prinzipiell so, dass bei einem Unfall die Bewegungsenergie in Verformungsenergie umgewandelt wird. Da erstere sich aus 0,5*MasseFahrzeug*Geschwindigkeit² berechnet, ist es schon so, dass je schwerer das Auto, desto mehr Energie bringt es mit sich, um etwas zu verformen.

Ganz anschaulich sieht man es auf diesem Video:
Q5 gegen Fiat 500
https://www.youtube.com/watch?v=pREcuRF_e4c

Lesenswert ist auch der Artikel zum Thema altes/neues Auto:
http://www.welt.de/motor/article1244415 ... neues.html
Wobei man sich eben bewusst machen muss, dass ein Q5 gegen einen 40 000 Tonner ebenfalls "alt" aussehen würde.

Um ein Auto nach seiner Sicherheit zu bewerten, muss man erst einmal verschiedenes beleuchten:
* Unfallvorbeugung
dazu gehört:
- Mensch (Kondition, Wahrnehmung, Handhabung)
- Fahrzeug (Sicht, Bremsen, Beschleundigen, Fahrerassistenzssysteme)
- Umwelt (Wetterverhältnisse, Verkehrsdichte, Informationssysteme..)
* Unfallfolgenminderung
dazu gehört:
*PreCrash - Crash ist unvermeidbar;
- (Not)bremse, gibt z.B. Bremssysteme die Erkennen, wenn ich ruckartig und heftig auf ein Bremspedal gehe, dass es eine Notbremsung ist und führen diese dann automatisch aus. Vorteil: sie ist schneller als ich und es spielt keine Rolle, wie stark man drücken kann.
- aktive Strukturen:
Vorkonditionierung; (Airbags, reversibler Gurtstraffer, Sitz) Rückhaltesysteme; Konstruktion der Insassenzelle (z.B. ist es so, dass diese möglichst nicht verformt werden sollte -> dazu nimmt man steifere, festere Bleche und schaut, dass man an anderer Stelle (z.B. Motorhaube) möglichst viel Aufprallenergie auffangen kann; die B-Säule hat dazu z.B. verschiedene Festigkeiten).
- und was man auch nicht vergessen darf:
Partnerschutz, sprich Schutz von Zweiradfahrer und Fußgänger; z.B. eben der Q7 wurde darin kritisiert, dass er zu wenig Partnerschutz bietet; eigentlich müsste er im vorderen Bereich nicht so steif sein.
- nach dem Unfall: z.B. was gerade diskutiert wird: Einführung dieses automatischen Notrufsystems bei Neuwagen; aber auch so Sachen wie Schnittmarkierungen für die Rettung oder zur Verhütung von Bränden (Batterieabsperrung)
* Integrale Sicherheit (Kombination aus Unfallvorbeugend und unfallfolgenmindernde Sicherheit)

Erst wenn du alle diese Kriterien kennst, kannst du beurteilen, wie sicher du unterwegs bist.

ABER jetzt kommt das große ABER:

Im Moment des Aufpralles ist es der Physik am Kopf deines Kindes egal, wie sicher das Auto um einen herum ist.
Es wirkt ja nach wie vor die Kraft, die den Kopf nach vorne schleudern lässt und die dann zu den schlimmen Verletzungen führt. Das passiert ja gleichzeitig während z.B. deine Motorhaube verformt wird.

Und um diese Bewegung beim Frontalaufprall zu vermeiden hilft nur ein Reboarder.

Der Kindersitz ist nun mal das System, das speziell für ein Kind im Auto zugeschnitten ist und ausgerichtet wurde. Alles andere wird vor allem auf eine Person mit 75 kg berechnet.

Falls derjenige noch "Erfahrung aus der echten Welt braucht":
Ich habe einen Unfall in einem neuen sicheren Audi A6 hinter mir (ich bin jemanden reingefahren, hatte zwar Vorfahrt und "nur" Tempo 40 drauf); musste scharf bremsen.
An Bord war mein Kind (1,5 Jahre) , eine bekannte Mutter aus der Kita und ihr Kind (1 Jahr).

Meiner im Reboarder, ihrer im vorwärtsgerichten:
Meinem hatte nichts gefehlt, das andere Kind, hatte vom Schlag, den der Kopf gemacht hat, Nasenbluten wegen geplatzer Gefäße in der Nase und eine leichte Gehirnerschütterung.

GOTT SEI DANK ist nicht mehr passiert.

Lg Marie

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Re: Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Morgaine47 am Sa 9. Mai 2015, 19:20

Marie hat geschrieben:Im Moment des Aufpralles ist es der Physik am Kopf deines Kindes egal, wie sicher das Auto um einen herum ist.
Es wirkt ja nach wie vor die Kraft, die den Kopf nach vorne schleudern lässt und die dann zu den schlimmen Verletzungen führt. Das passiert ja gleichzeitig während z.B. deine Motorhaube verformt wird.

Und um diese Bewegung beim Frontalaufprall zu vermeiden hilft nur ein Reboarder.



Den Satz merke ich mir mal.
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Re: Ein sicheres Auto ist wichtiger!

Beitragvon Leo am Fr 27. Nov 2015, 13:18

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung!
Unsere Kleine ist fast aus der Babyschale rausgewachsen und mein Mann und ich möchten uns einen Reboarder anschaffen – daher hab ich mich hier im Forum angemeldet und lese eure Beiträge.
Das wichtigste Argument sind für mich die Kräfte, die bei einem Unfall auf die Halswirbelsäule ausgeübt werden, wenn der Kopf nach vorne geschleudert wird. So wie ich das verstehe, ist der Reboarder da viel sicherer als konventionelle Kindersitze.
Was unser Auto angeht, haben wir einen relativ neuen Toyota Auris, in den ich sicherheitstechnisch eigentlich Vertrauen habe.
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