Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

zum Thema Autokindersitze und speziell zum Thema Reboard

Moderator: Verseau

Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Securité am Mi 21. Dez 2011, 12:48

Dass ein Reboard-Kindersitz die sicherste Methode ist, um ein Kleinkind zu transportieren, ist ja bekannt. Aber auch innerhalb der Gruppe der rückwärts gerichteten Kindersitze gibt es Unterschiede, die sich in der Sicherheit des einzelnen Sitzes niederschlagen.

Hierbei gibt es einige Dinge zu beachten, wenn man den SICHERSTEN Reboard-Sitz für sein Kind sucht.

Seitenschutz:
Es gibt Reboard-Kindersitze, die schon für Gruppe 0+ und Gruppe I, also ab 0 bis 18 kg zugelassen sind.
Dann gibt es Sitze, die erst ab 9kg für Gruppe I bis 18kg zugelassen sind, und es gibt welche, die bis 25kg, also in Gruppe I und Gruppe II zugelassen sind.
Im Vergleich dieser Gruppen fällt auf, dass Sitze in Gruppe 0+ und I (z.B. Britax Hi-Way, BeSafe iZi Combi, Graco Duologic) durch den Aufbau der Sitzschale einen weitaus besseren Seitenschutz im gesamten Sitz für das Kind haben. Also nicht nur im Kopfbereich, sondern auch dort, wo das Kind sitzt. Die Sitzschale ist auf den Seiten weiter hoch gezogen und meist auch tiefer, als bei Sitzen der anderen Gruppen.
Sitze die erst ab Gruppe I zugelassen sind, sollten daher, genau wie vorwärts gerichtete Kindersitze, erst weit über 9kg Körpergewicht verwendet werden. Hier heißt es dann, das Kind länger in der Babyschale zu lassen, als bei einem Sitz der schon für Gruppe 0+ zugelassen ist.

Fazit: Kindersitze mit höheren Seitenwangen sind im Falle eines Seitenaufpralls sicherer für das Kind. Außerdem gibt es Sitze die mehr oder minder hauptsächlich aus Plastik bestehen und Sitze, die aus speziellen energie-absorbierenden Kunststoffen gepolstert mit viel Styropor gefertigt sind.

Standfuß:
Es gibt Sitze, die über keinen Standfuß verfügen. Diese Sitze MÜSSEN zwangsläufig IMMER auf dem Vordersitz oder Armaturenbrett aufliegen. Der Standfuß nimmt während eines Unfalles Energien auf, stützt das Gewicht von Sitz und Kind und verformt sich. Hat ein Sitz keinen Standfuß und lehnt am Vordersitz auf, wird der Vordersitz stärker belastet als ohne einen steifen Standfuß, die davor sitzende Person somit zwangsläufig auch. Zudem schützt ein Standfuß vor einem Bruch der Sitzschale. Ein Standfuß, der an zwei Punkten am Fahrzeugboden aufsteht, hat hierbei eine bessere Kräfteverteilung im Unfallgeschehen als ein Standfuß mit nur einem Berührungspunkt zum Boden.

Fazit: Es ist besser einen Kindersitz mit Standfuß zu wählen.

Swedish Tethers (Spanngurte):
Jeder Reboard-Kindersitz, auch die mit Isofix, die die Zulassung nicht ohne Zusatzgurte bestanden haben, müssen durch zusätzliche Spanngurte am Vordersitz oder am Bodenblech des Fahrzeugs gesichert werden. Die Swedish Tethers sorgen für die nötige Seitenstabilisierung des Kindersitzes, im Fall eines Unfalles kann der Kindersitz nicht seitlich wegkippen. Mit zwei Tethers, die den Kindersitz von zwei Seiten nach unten hin befestigen, hat man die beste Stabilisierung. Zudem verhindern die Tethers ein Aufsteigen des Sitzes richtung Rücksitzlehne bei einem Heckunfall. Nun gibt es Reboarder, die über zwei Zusatzgurte verfügen, aber auch solche, die nur einen einzelnen Gurt oder GAR keinen Gurt haben. Hat ein Sitz nur einen einzelnen Gurt (z.B. der Graco Belogic), hat er natürlich mehr Spielraum auf die eine oder andere Seite. Hat ein Sitz gar keinen Gurt (wie z.B. der Graco Duologic, wenn man ihn nicht mit Isofix, sondern mit Gurt befestigt), fehlt natürlich auch diese zusätzliche Seitenstabilisierung. Der Sitz kann wesentlich leichter samt Kind nach links oder rechts kippen.

Fazit: Zwei Spanngurte sind besser als einer und viel besser als gar keiner!

Überrollbügel:
Nur wenige Reboarder haben einen Überrollbügel, der bei einem Heckunfall einerseits auch das "Überschlagen" des Kindersitzes richtung Rücksitzlehne und ein seitliches "Trudeln" verhindert und andererseits als zusätzlicher Schutz für das Kind vor eindringenden Fahrzeugteilen von hinten fungiert. Damit ist gemeint, dass ein Sitz mit einem Überrollbügel das Kind z.B. vor Beinbrüchen bei einem Heckaufprall bewahren kann, da der Kindersitz einen größeren Abstand zur Lehne hat und der Bügel die Lehne, falls diese sich verformt, vom Kind fernhält.

Fazit: Der Überrollbügel, mit dem einige Sitze ausgestattet sind, ist quasi ein zusätzliches Sicherheits-Feature, da die Tethers z.B. nie 100% fest gezogen werden können und immer ein leichtes Spiel aufweisen, wogegen der Überrollbügel aus massiven Materialien gefertigt und sehr fest ist.

Alle diese zusätzlichen Komponenten schlagen sich natürlich im Preis nieder, daher kommen die unterschiedlichen Preisgefüge der einzelnen Sitze. Natürlich heißt teuer nicht immer besser, trotzdem kann man bei "billigen" Sitzen von weniger guter Verarbeitung, weniger guten Materialien und weniger Komfort für das Kind ausgehen. Was aber immer im Hinterkopf bleiben sollte: Jeder, und sei es der billigste Reboard-Kindersitz, ist besser als der teuerste vorwärts gerichtete Kindersitz.
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon MsReboard am Mi 21. Dez 2011, 13:20

Gut geschieben und so wahr! :D
Ich mische mich gern ein! Bin aber auch offen für konstruktive Kritik :-D
Wem das nicht passt, muss ja meine Meinung nicht lesen.
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Julia am Mi 21. Dez 2011, 14:03

Tolle Zusammenfassung!
Großer Sohn fährt nur noch auf einer Sitzerhöhung,Tochter im hts izi up x2 und kleiner Sohn (11/09) im Cybex Pallas
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Kate am Mi 21. Dez 2011, 14:09

Danke für diese ausführliche und tolle Zusammenfassung!
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Ursula am Mi 21. Dez 2011, 21:24

Danke auch von mir für die super Zusammenfassung. Da kann ich bei Nachfragen noch besser erklären.
Glückliche Mutter von zwei Söhnen (7/2009 und 5/2011) die mit ihren Stoffwindelpopos im Duologic sitzen Unser Auto: Ford Galaxy Bj. 1998
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon DoreleBritax am Mo 26. Dez 2011, 12:38

super gemacht nein quatsch großartig!!
Grüße Dorele

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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon DoreleBritax am Mo 26. Dez 2011, 12:40

daher findet ihr bei den modellen auch oft bilder von sitzen ohne bezüge. durch das nackig machen kann man schon viel von der qualität des sitzes erahnen ohne ihn live gesehen zu haben.
Grüße Dorele

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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Laura am Di 27. Dez 2011, 22:15

Schöne Zusammenfassung - allerdings finde ich, dass es die ganze Sache nur verkompliziert. Und gibt es Belege für so etwas wie, dass ein Überrollbügel mehr Sicherheit bringt? Oder ist das nur eine Theorie?
Nur eine Frage, da ja oft nach Quellen gefragt wird und hier ja eher Theorien stehen, die nicht belegt werden können, oder?
Zuletzt geändert von Laura am Do 5. Jan 2012, 15:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Felea am Di 27. Dez 2011, 22:27

Hmm gute frage, dass mit den Überrollbügel verstehe nicht ganz!?
Hatte ja jetzt den vergleich mit Axkid und Besafe. Und ich kann mir nicht vorstellen das der Bügel enorm viel mehr bringt. Denn die ohne haben doch die Spanngurte. Die halten doch den Sitz, damit er nicht zur Rückenlehne klappt.
Den Rest kann ich nachvollziehen;-)
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Re: Auch bei Reboard-Kindersitzen gibt es Unterschiede

Beitragvon Laura am Di 27. Dez 2011, 22:40

Naja, auch der Seitenschutz. Das Becken ist doch mit dem 5-Punkt-Gurt fixiert, da hat z.B. der iZi Up als Folgesitz ja kaum Seitenaufprallschutz. Argument: Der Gurt fixiert das Becken. Also am Becken und am Oberkörper denke ich, ist bei korrekt geschlossenem Gurt der Aufprallschutz doch weniger wichtig, oder?
Und tief ist ja nicht gleich besser. Man hat ja festgestellt, dass Kinder ich nach vorne lehnen um aus tiefem Seitenschutz rauszuschauen, was den Seitenschutz aufhebt bzw. es eher schlimmer macht, weil die Kinder dann an die Kante knallen. Deswegen macht man am Kopf ja eher wieder weniger.
Also so easy kann man es, denke ich, nicht sagen. Es machen sich ja viele Experten viele Gedanken um die Details...
Laura
 
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